Als ich im Juli 2014 mein Bachelorstudium abgeschlossen hatte, wollte ich gerne ein Jahr lang den akademischen Betrieb verlassen und etwas völlig Anderes machen. Mein Ziel war es, mich in einem sozialen Projekt zu engagieren und dabei vorzugsweise in einem Land zu leben, dass möglichst verschieden von dem westeuropäischen Umfeld ist, das ich gewohnt bin. Über einen Freund entstand dann der Kontakt zu Irmgard und Peter Frauenfeld und dem KSF College in Sri Lanka. Wir wurden uns schnell über die Grundkonstanten einig, der Plan war, dass ich für ein Jahr nach Moragoda kommen würde, um dort an der Schule Mathe, Englisch und Literatur zu unterrichten, wobei ich aufgrund meines abgeschlossenen VWL-Studiums schwerpunktmäßig in der Oberstufe Mathe unterrichten sollte, um die Schülerinnen auf ihre landesweiten O-Level-Prüfungen vorzubereiten. Angekündigt war, dass ich ca. 25-28 Unterrichtsstunden pro Woche geben würde. Zu diesem Zeitpunkt willigte ich auch ein, gelegentliche „morning lessons“ zu geben, d.h. Unterricht morgens von 6 bis 7. Generell schien mir das Projekt der Frauenfelds damals sehr unterstützenswert und beide machten auf mich einen seriösen Eindruck, was mich dazu brachte, ihnen einen gehörigen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Schließlich war Peter Frauenfeld Jurist, seine Frau Lehrerin, beide mit jahrzehntelanger Lebenserfahrung, da schien mir nichts gegen eine Abmachung per Handschlag zu sprechen. Ein Gehalt, das war mir von vornherein klar, würde ich nicht bekommen, was mich finanziell zwar belastete, letztlich aber kein Hinderungsgrund war, weil Sri Lanka kein allzu teures Land ist und ich dementsprechend gut von meinen Ersparnissen leben konnte. Schließlich hatte ich mich auch bewusst gegen die Möglichkeit entschieden, mit abgeschlossenem VWL-Studium ein Jahr lang gutes Geld in Deutschland zu verdienen und stattdessen meine Arbeitskraft diesem scheinbar guten Projekt zur Verfügung zu stellen.
Zwischen einem ersten Treffen im April und meiner Abreise im August 2014 gab es nur noch sporadischen Kontakt. Eine wirkliche Einführung in die Tätigkeit an der Schule bekam ich nicht. Mir wurde wortwörtlich gesagt „Sie gehen in die Klasse und unterrichten“, obwohl ich vorher noch nie vor einer Schulklasse gestanden hatte. Ich ging aber davon aus, dass die Frauenfelds ja vor Ort sein würden, wenn ich ankomme, und ich dementsprechend vor Ort angemessen eingearbeitet würde.
Tatsächlich erfuhr ich dann aber zwei Wochen vor meiner Abreise, dass die Frauenfelds noch länger in Deutschland bleiben würden, Ankunftsdatum in Sri Lanka ungewiss. Auf meine Frage, wie ich vom Flughafen aus zur Schule komme, gaben sie mir die Telefonnummer eines Tuktuk-Fahrers und überließen alles Weitere mir. Wenn mir auch klar war, dass ich keine finanzielle Gegenleistung erhalten würde, war ich doch etwas irritiert, dass nicht einmal organisiert war, dass mich jemand abholt, wenn ich nach langer Reise in einem völlig fremden Land ankomme, um dort unentgeltlich zu arbeiten.
Vor Ort wusste dann auch niemand so wirklich, wann ich überhaupt ankommen sollte, die Frauenfelds hatten der verantwortlichen Lehrerin ein falsches Datum genannt, obwohl ich sie mehrmals darauf hingewiesen hatte, wann ich komme. Meine drei deutschen Kollegen während des Auslandsjahres waren da schon seit einer Woche an der Schule, wo sie völlig alleingelassen waren (die Frauenfelds hatten ihnen empfohlen, ruhig etwas eher zu kommen) und nur dank der Initiative einer hilfsbereiten Kollegin überhaupt etwas zu essen bekamen.
Den netten sri-lankischen Kollegen ist es auch zu verdanken, dass wir überhaupt irgendwelche Informationen in den ersten Tagen bekamen, auch wenn die selbst nicht wirklich darauf vorbereitet waren, dass wir über nichts informiert sein würden. Die Frauenfelds tauchten dann nach einigen Wochen doch endlich auf und man merkte sofort, wie die Stimmung an der Schule angespannter wurde. Nach einigem Nachfragen erfuhr ich dann von Kolleginnen und Schülerinnen, dass an der Schule die Prügelstrafe eingesetzt wird. Kinder werden bei Fehlverhalten durch Schläge mit dem Rohrstock bestraft. Nachdem ich anfangs davon ausging, dass das von den sri-lankischen Lehrern ausgeht, die auf ihren traditionellen Methoden beharren, stellte sich jedoch bald heraus, dass das Gegenteil der Fall ist. Den meisten der jungen Kolleginnen war es sehr unangenehm, Schülerinnen körperlich zu züchtigen. Eingesetzt, gefördert und gefordert wurden diese Strafen von den Frauenfelds. Herr Frauenfeld, so erfuhr ich von einigen Lehrerinnen, habe auch sie schon früher mit besonderer Härte geschlagen. Inzwischen delegiere er das aber und weise andere Lehrer an, Schläge für Fehlverhalten in seinem Unterricht zu verteilen. Er selbst macht sich daran die Hände nicht länger schmutzig. Als eine Kollegin sich weigerte, weiterhin für ihn die Bestrafungen zu übernehmen, führte das nicht dazu, dass er sein Verhalten hinterfragte, stattdessen wurde einfach eine andere Kollegin, die ihm weiterhin hörig war, mit dem Schlagen der Kinder beauftragt.
Mein Eindruck war (möglicherweise wurde es am Anfang aber auch nur besser versteckt), dass die Häufigkeit der Prügelstrafe im Laufe meines Jahres dort deutlich zunahm. Während ich anfangs noch glaubte, dass das eine ultima ratio für besonders schwere Vergehen sei, erfuhr ich dann nach einiger Zeit davon, wie Schüler für Kleinigkeiten, z.B. für unzureichendes Putzen der Küche oder das Verlassen des Schulgeländes eine halbe Stunde zu früh, obwohl kein Unterricht mehr war, mit harschen Bestrafungen zu rechnen hatten. Teilweise kam es vor, dass Schülerinnen um Erlaubnis baten, das Schulgelände zu verlassen, Herr Frauenfeld sich aber am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern konnte und die Kinder dann gewaltsam bestraft wurden.
Dazu ist zu sagen, dass die Prügelstrafe in Ausnahmefällen, und zu diesen Ausnahmen gehören Lehrer, in Sri Lanka legal ist. Nach meinen Gesprächen mit Sri-Lankanern kommt es auch in ländlichen Regionen noch vor, dass Schüler geschlagen werden, das ist aber längst nicht mehr der kulturelle Normalfall. In größeren Städten findet so etwas überhaupt nicht mehr statt. Umso beschämender ist es da, dass jemand, der aus einem westlichen liberalen Land kommt und sich auf die Fahne schreibt, humanistische Bildungsideale zu verbreiten, in einem derart krassen Maße zu Misshandlung greift. Die Kinder, die ich dort kennenlernen durfte, waren alle sehr aufgeweckt und offen, doch das änderte sich schlagartig, sobald Herr oder Frau Frauenfeld den Raum betraten. Unter den Schülern am KSF College herrscht eine Atmosphäre der Angst, die im Laufe der letzten Jahre eher schlimmer als besser geworden sein muss.
Viele Kolleginnen und Schülerinnen erzählten mir, dass sich die Zustände an der Schule sehr verschlimmert hätten, seit die Frauenfelds pensioniert und deshalb dauerhaft in Sri Lanka vor Ort sind (wobei sie in der Regel mit einigen Wochen Verspätung in den Term starteten. Solange in der Toskana das Wetter noch gut war, konnte der Deutschunterricht wochenlang ausfallen. Ich hingegen wurde vehement kritisiert, als ich mit ein paar Tagen Verspätung von einer Indienreise zurückkam).
Die Kolleginnen aus Sri Lanka sind zwar nicht mehr im gleichen Maße den Wutausbrüchen der Schulleitung ausgesetzt, viel besser sind sie aber auch nicht dran. Die Schule ist nur deshalb in der jetzigen Form tragbar, weil der Großteil des Unterrichts nicht von vollausgebildeten Lehrkräften bewältigt wird. Nur ein Bruchteil der Lehrer hat eine Universität besucht. Vieles wird von den deutschen Freiwilligen bewältigt, die unbezahlt sind, noch mehr aber leisten ehemalige Schülerinnen, die als Vollzeitkräfte an der Schule beschäftigt sind, nachdem sie ihren Abschluss gemacht haben. Viele von ihnen warten in dieser Zeit auf einen Studienplatz und wissen nicht, wie sie die Zeit überbrücken können. Von den Frauenfelds werden sie dann dazu gedrängt, an der Schule zu arbeiten. Entlohnt wird das im ersten Jahr mit 2000 Rupien Taschengeld pro Monat (ca. 14 Euro), in darauffolgenden Jahren mit 8500 Rupien (ca 60 Euro). Auch im niedrigen sri-lankischen Preisniveau sind das Hungerlöhne, an jeder Supermarktkasse verdient man mehr. Dafür leisten die jungen sri-lankischen Frauen ein unmenschliches Ausmaß an Arbeit, sind 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche vor Ort und arbeiten (neben bis zu 40 Unterrichtsstunden) auch noch nach dem Unterricht noch an Hausaufgabenbetreuung, Stundenplänen oder kaufen die Lebensmittel für die Internatsküche ein. Diese Ausbeutung wird dadurch möglich, dass die Frauenfelds gezielt psychologischen Druck auf die Kolleginnen ausüben. Ich habe während meiner Zeit in Sri Lanka mehrmals erlebt, dass Kolleginnen die Schule verlassen wollten, aber dann von den Frauenfelds eingeredet bekamen, dass zu studieren doch eine blöde Idee sei und sie genauso gut einen sicheren Job bei ihnen behalten könnten. Ohne Ausbildung wären sie dann aber umso mehr an die Schule gebunden, da sie niemand sonst einstellen würde. Das war kein Einzelfall, sondern kam immer wieder vor. Gleichzeitig geben die Frauenfelds den jungen Frauen das Gefühl, ihnen dankbar sein zu müssen, weil sie ihnen Versprechungen von Deutschlandreisen vor die Nase halten. Spricht dann jemand davon, die Schule zu verlassen, ist der eigentlich schon zugesagte Austausch mit der deutschen Partnerschule plötzlich vom Tisch und es wird nie wieder darüber geredet.
Ich selbst habe in meinem ersten Term 37 Unterrichtsstunden pro Woche gegeben, nicht die angekündigten 25-28. Immer wieder versprachen mir die Frauenfelds, das würde bald reduziert. Dann standen auf dem nächsten Stundenplan 41 Stunden. Ich habe irgendwann aufgegeben, auch nur ein Wort zu glauben, das ich von den Frauenfelds zu hören bekam. Tatsächlich blieb mein Stundenplan über die gesamte Dauer mehr oder weniger konstant, so dass ich am Ende durchschnittlich auf 35 Stunden kam, weit mehr als jeder Gymnasiallehrer in Deutschland macht, und das als unausgebildete Kraft.
Nach dem ersten Term hörten die Frauenfelds mehr oder weniger auf, überhaupt mit mir zu reden. Vorher, das war vor den O-Level-Prüfungen, die es zu bestehen galt, und die meine Mädchen auch mit Bravour meisterten, wurde mir noch permanent Honig ums Maul geschmiert, das war dann plötzlich vorbei. Wenn sie etwas von mir wollten, schickten sie grundsätzlich eine Schülerin mit Botschaften zu mir, direkte Kommunikation war unerwünscht. Ich habe irgendwann solche Botschaften über dritte einfach ignoriert, weil es mir zu blöd war. Mehrere Aufforderungen meinerseits, doch einfach direkt mit mir zu reden, wurden nicht weiter beachtet. Als ich gegen Ende meiner Zeit nicht mehr bereit war, weiterhin jeden Morgen „morning lessons“ zu geben, teilte mir Herr Frauenfeld, wiederum indirekt durch eine Schülerin mit, dann könne ich jetzt, sechs Wochen vor Ende des Terms, meine Sachen packen. Dass ich von vornherein die morning lessons als zusätzliche Belastung freiwillig auf mich genommen hatte, ja das meine ganze Anwesenheit an der Schule ganz und gar freiwillig war, das schien ihn nicht weiter zu interessieren. Wer in irgendeiner Form leise Kritik äußert, der fliegt. Traurig ist das nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch in Hinsicht auf die Qualifikation der Frauenfelds als Führungspersönlichkeiten, was Kommunikationsverhalten angeht. Sie scheinen nach wie vor nicht verstanden zu haben, dass zu Menschenführung mehr gehört, als nach Gutsherrenart auf der Terasse zu sitzen und Hof zu halten. Die Menschen, die auf ihr Antreiben hin, um die halbe Welt geflogen sind, um sich zu engagieren, die sind auch ihre Verantwortung. Ich selbst konnte das noch ganz gut wegstecken, war zu dem Zeitpunkt ja auch schon älter und erfahrener als der Durchschnitt; viel unangenehmer muss das für Leute sein, die gerade 18 geworden und das erste mal sehr weit weg von zu Hause sind.
Besonders unangenehm wurde die Situation, als die Frauenfelds begannen, sich vehement in mein Privatleben einzumischen. Jemand hatte ihr von meiner, zu diesem Zeitpunkt schon länger andauernden, Beziehung zu einer srilankanischen Kollegin erzählt. Während die Familie meiner Freundin mich mit offenen Armen empfing und überhaupt kein Problem damit hatte, dass ihre Tochter einen deutschen Freund hat, beschlossen die Frauenfelds, das zu ihrem Problem zu machen. Sie redeten harsch auf meine Freundin ein und wiesen sie an, die Beziehung zu beenden. Des weiteren stellten sie ihr hochgradig intime Fragen, die selbst mir als Deutschem deutlich zu weit gegangen wären, ich kann mir nur vorstellen, wie unangenehm das für Sri Lankaner sein muss. Immer wieder wurden ihr neue Restriktionen auferlegt, wann und wo wir uns sehen dürfen. Wir waren dabei immer sehr bemüht, unsere Beziehung nicht vor den Schülern öffentlich zu machen. Was in unseren Zimmern passiert, das muss schlichtweg unsere private Angelegenheit bleiben. Frau Frauenfeld hatte dazu eine ganz eigene Meinung und schreckte nicht davor zurück, regelmäßig vor meinem Zimmer oder dem meiner Freundin herumzuspionieren.
Nach einigen Wochen wurde meine Freundin dann unter fadenscheinigen Gründen an die Außenstelle nach Payagala versetzt. Mir wurde dann (das erste Mal seit langem in einem persönlichen Gespräch) mitgeteilt, dass meine „Freundschaft“ ein Problem für sie sei und dass sie mir daher verbieten, meine Freundin in Payagala zu besuchen. Ich teilte Frau Frauenfeld daraufhin mit, dass ich mir mit 23 Jahren nicht mehr verbieten lasse, wie ich meine Freizeit gestalte, solange ich nichts Verbotenes tue. Ich war mir keiner Schuld bewusst und bat sie, sich nicht weiter in mein Privatleben einzumischen. Daraufhin wurde sie ausgesprochen jähzornig und drohte mir abermals mit dem Rauswurf. Letztlich war das dann aber auch wieder nur heiße Luft, dafür war der Lehrermangel in Moragoda zu groß, was bei den mickrigen Gehältern und der mangelnden Personalführung kein Wunder ist. Generell war die Fluktuationsrate unter Lehrkräften sehr groß und im Wochentakt musste man sich an neue Gesichter gewöhnen.
Generell dulden es die Frauenfelds nicht, wenn Menschen nicht über sie, sondern direkt miteinander kommunizieren. So erzählten sie meiner Freundin mehrmals, dass sie an der Partnerschule in Deutschland nicht länger erwünscht sei und ihre Gastfamilie sie nicht mehr haben möchte. Tatsächlich war nichts davon wahr, der Gastfamilie hatten sie erzählt, meine Freundin habe es sich anders überlegt und wolle nicht mehr kommen. Als wir vorschlugen, einfach mal die Familie anzurufen und zu besprechen, was das Problem ist, wurde uns das von den Frauenfelds vehement ausgeredet mit der Behauptung, die seien total uneinsichtig und alles Reden sei zwecklos.
Ich könnte noch zahlreiche weitere Geschichten erzählen von Momenten, die mich über alle Ausmaße schockierten. Ich war mir vor meiner Abreise bewusst, dass ich oft in Situationen geraten würde, in denen ich mit dem, was ich als Westeuropäer für „gesunden Menschenverstand“ halte, nicht weiterkomme. Nicht gefasst war ich aber darauf, dass das ausgerechnet an den zwei Deutschen in Moragoda liegen würde, und überhaupt nicht an den Sri-Lankanern. Mir ist nach wie vor unerklärlich, wie man sich als Deutscher in Sri Lanka so verhalten kann und so viel Angst und Leid verursachen kann, wenn man ursprünglich mit dem Plan angetreten ist, das Leben der Menschen vor Ort besser zu machen. Es macht mich unbeschreiblich traurig, dass ein in seiner Kernidee so tolles Projekt so unter der praktischen Ausführung leidet und so letztlich mehr Schaden als Nutzen bringt.
Persönlich muss ich sagen, dass die Frauenfelds zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise unterstützend tätig waren, um das Leben in Sri Lanka zu erleichtern. Zwischen Mai und meiner Abreise im August haben sie letzten Endes gar nicht mehr mit mir geredet. Am Tag meiner Abreise nach einem Jahr unbezahlter Arbeit wurde ich, wiederum über den Umweg einer Schülerin, aufgefordert, 500 Rupien (3 Euro) für die Reinigung meines Zimmers zu hinterlassen.
Vor meiner Abreise bat ich dann Frau Frauenfeld noch um ein Arbeitszeugnis und sie forderte mich auf, selbst eines zu schreiben. Anschließend strichen die Frauenfelds aus meiner Vorlage dann alle positiven Formulierungen raus und senkten die eigentlich korrekte Wochenstundenzahl von 35 auf 30. Außerdem behaupteten sie, ich hätte nicht fast das ganze Jahr über „morning lessons“ gegeben, sondern lediglich in den ersten drei Monaten, was ebenfalls nicht stimmt. Auf meine Nachfrage, ob ich zumindest ein Zeugnis bekommen könne, dass den Tatsachen entspricht, teilte mir Frau Frauenfeld nach monatelangem Ignorieren meiner E-Mails mit, für sie sei die Sache erledigt.
Alles in allem war ich von dem, was ich in Moragoda erleben musste, vor allem zutiefst enttäuscht. Eine Schule im ländlichen Sri Lanka aufzubauen und Mädchen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen ist ein fantastisches Projekt, dass theoretisch jeder Unterstützung würdig wäre. Leider wird aus dieser tollen Idee in der Praxis ein Ort der Ausbeutung und Kindesmisshandlung, an dem keine offene Lernatmosphäre sondern vor allem die Angst vor Bestrafung die Stimmung prägt. Es wäre all den tollen Kindern des KSF College zu wünschen, dass sie tatsächlich das bekämen, was man ihren Eltern und den Spendern in Deutschland verspricht. Leider ist das, so wie die Schule derzeit geführt wird, nicht der Fall. Denjenigen, die noch versuchen das beste aus den Umständen zu machen und ihre Arbeit in den Dienst der Schüler stellen, nämlich die deutschen Freiwilligen und die jungen sri-lankischen Kolleginnen, begegnet man mit erschreckender Undankbarkeit.
Auch wenn dieser Bericht sehr negativ ausfällt, möchte ich nicht enden, ohne jeden Leser dazu aufzufordern, nach Sri Lanka zu reisen. Ich durfte im Laufe des letzten Jahres ein wunderbares Land mit tollen Menschen kennenlernen und bin heilfroh, dass sie ihre negative Vorprägung davon, wie sich Deutsche üblicherweise verhalten, schnell verworfen haben. Ich bin unendlich dankbar für all die Gastfreundschaft und Wärme, die ich auf meinen Reisen und während meiner Zeit an der Schule und im Umland erleben durfte. Ich bin sicher, dass es in Sri Lanka eine ganze Menge förderungswürdiger Projekte im Bildungsbereich gibt und ich kann jedem Interessierten sehr empfehlen, sich, nach sorgfältiger Prüfung der Organisation, dort zu engagieren.
Alexander Wulfers, Oxford, 19. Februar 2016
Alexander Wulfers, Oxford, 19. Februar 2016